Der Namenlose aus GTA 3 konnte es nicht, Tommy Vercetti in der Drogenmetropole Vice City auch nicht und auch der neueste Rockstar Held – Outlaw John Marston – kann es nicht.
Ist irgendwie komisch wenn ein Protagonist fähig ist, einhändig vom Rücken eines Pferdes mit einem Repetiergewehr über nahezu 100m ein Kaninchen zu erlegen und dann nicht schwimmen kann. Allerdings ist es eben auch – wie in vergangenen GTA-Titeln – eine gute Begründung für die vorherrschenden Levelbegrenzungen im neuesten Open-World-Game für PS3 und XBOX360. Da ist eben an Gebirgshängen und Flüssen Schluss, wenn man ganz in Wild-West-Manier versucht, in den Sonnenuntergang zu reiten.
A propos Sonnenuntergang. Die Grafik kann es zwar nicht mit Mass Effect 2 oder dem neusten Uncharted-Ableger aufnehmen, im Vergleich zu Liberty Citys letztem Gangster-Epos hat Rockstar allerdings nochmal einiges aus der PS3 rausgekitzelt. Die Lichteffekte vor allem bei Sonnenauf- und -untergang sind wunderschön, die Sonnenstrahlen brechen sich malerisch im Geäst der teilweise üppig vorhandenen Fauna und Flora. Auch die verschiedenen Gebiete überzeugen mit abwechslungsreichen Landschaften. Von dichten Wäldern über trockene Wüsten bis hin zu schneebedeckten Gebirgspässen findet man alles was das Abenteuererherz begehrt.
Die Animationen der verschiedenen Tiere – besonders die der Pferde – und der Charaktere sind sehr realitätsnah umgesetzt worden. Alles in allem ziehen die Optik und die großartige musikalische Untermalung jeden Spieler sofort in ihren Bann, der sich auf das Western-Genre einlassen möchte. Und das scheinen hierzulande ja aktuell einige zu sein, so schwer wie es war, in der vergangenen Woche eine Kopie des Open-World-Abenteuers zu ergattern.
Zuletzt muss man natürlich zugeben, dass Rockstar die Steuerung und viele Teile der Spielmechanik von GTA übernommen hat, wie zum Beispiel die Minimap, die Art und Weise wie Missionen gestartet werden können, das Speichern während eines sechs Stunden andauernden Schläfchens und das Deckungssystem – um nur einige Beispiele zu nennen. Nichtsdestotrotz hat man zu keiner Zeit das Gefühl, eine bloße GTA-Kopie vor sich zu haben, die sich lediglich ein unverbrauchtes Setting zu Nutze macht. Red Dead Redemption entwickelt ein ganz eigenes Spielgefühl und hat meiner Meinung nach gute Chancen, Niko Belic und Co. in den Schatten zu stellen. Das müssen mit andauernder Spielzeit nun Missionsdesign, Story und Vielfältigkeit der Pferde und Waffen zeigen. Ich bin nach vier Stunden Spielzeit bester Hoffnung einer wahren Spieleperle erlegen zu sein. Weiter so, Rockstar!