Jetzt sind knapp zwei Wochen vergangen seit der neueste Ego-Shooter von Infinity Ward das Neonlicht der Videospiel-Regale erblickt hat. Da ich primär eher der Singleplayer-Fanatiker bin, bin ich mal wieder sehr davon begeistert, dass man sich während der ganzen Kampagne so fühlt, als wäre man gerade bei den Dreharbeiten zu Black Hawk Down oder The Rock zugegen. Bis auf ein paar kleine Lücken in der relativ mauen aber durchaus akzeptablen Story (Warum Makarov in Moskau nicht einfach erschießen? Warum wird der am Ende der Geschichte einfach ignoriert? Warum kann die russische Polizei/Geheimdienst nicht nachweisen, dass die Amis nicht schuld waren an dem Massaker am Flughafen?) ist Infinity Ward hier mal wieder ein cineastisches Meisterwerk und ein durchaus gelungener Nachfolger des ersten Modern Warfare gelungen.
Persönlich trifft das Setting genau meinen Geschmack, angefangen von dem (im Vorfeld oft gesehenen) Infiltrieren einer verschneiten, russischen Militärbasis über die Befreiung von Geiseln auf einer Ölplattform bis hin zu meiner Lieblingsmission – der Rettung von Captain Price aus den Katakomben des Gulag, einer mittelalterlichen Festung an der Ostküste Russlands.
Der Multiplayer ist genau wie beim Vorgänger sehr gut gelungen auch wenn mir persönlich der von Battlefield Bad Company mehr Spaß gemacht hat. Das liegt denke ich vor allem an der Verfügbarkeit von Fahrzeugen und dem sehr guten MP-Modus Gold Rush. Nichtsdestotrotz ist die Perk-Funktion in Modern Warfare 2 ein gelungener Anreiz, das Spiel immer mal wieder in das Bluray-Laufwerk der PS3 einzulegen.
Es gibt natürlich – wie Presse und Medien seit Wochen berichten – einige recht fragwürdige Momente in Modern Warfare 2, die den “gespielten” Krieg aus einer grausameren Perspektive darstellen, als es andere Ego-Shooter bisher getan haben. Abgesehen von der viel diskutierten Flughafen-Mission in der Anfangsphase des Spiels gibt es im vorletzten Abschnitt “Just like Old Times” eine Szene, in der sich der Spieler in Form des Alter Egos “Soap” MacTavish an der Seite von Captain Price kopfüber an einer Felswand abseilt und mit einem Kampfmesser die darunter stehende Wache eliminiert. Der Kameraauschnitt zeigt dabei das von Todesangst gezeichnete Gesicht mit den weit aufgerissenen Augen der Wache in einer kompletten Totalen, während ihm das Messer in die Brust gerammt wird. Diese Szene und auch der komplette Anfang der Flughafen-Mission haben mich vor dem Bildschirm atemlos und mit einem Baseball-großen Klos vor meinem Controller zurückgelassen. Dies ist eine Erfahrung die kein Videospiel in dieser Form bisher hervorrufen konnte und bei Vielen stellt sich nun die Frage: Warum zeigt man so etwas in dieser Art und Weise und liefert allen “Killerspiel”-Gegnern zusätzlich unbestreitbares Material für ihre allzu oft schlecht recherchierten und haltlosen Verbots-Parolen? Der Modern Warfare 2-Autor Jesse Stern hat die Szene kommentiert mit “[...]ein Risiko [...], dass wir einfach eingehen mussten.” (Quelle: PC Games).
Ich ganz persönlich muss für mich abschließend sagen, dass ich die Szenen verstörend und einschüchternd fand und so etwas in einem Videospiel auch nicht ein zweites Mal in dieser Form sehen muss. Allerdings bin ich andererseits ein wenig dankbar, diese Erfahrung einmal – und hoffentlich ein letztes Mal – gemacht zu haben und dass Infinity Ward mutig – oder wahnsinnig – genug war, so etwas in einen vor Realismus nur so strotzenden Shooter wie Modern Warfare 2 einzubauen. Denn so etwas überschreitet – nicht nur in Videospielen – ganz klar eine Grenze bei der jeder Konsument genau vor Augen geführt bekommt, ob er noch ein gesundes Mass an Realitätswahrnehmung in sich hat und Videospiele vom echten Leben unterscheiden kann. Und jeder der diese Szenen nicht in gewisser Weise verstörend empfunden hat sollte meiner Meinung nach mehr als dringend professionelle Hilfe aufsuchen.