14. Juli 2008
Auch beim zweiten Mal treibt einem die erste offiziell genehmigte ‘Assassination Mission’ des britischen SAS im Körper von “Leftenant” Price den Schweiß auf die Stirn. Es ist einfach atemberaubend sich in seinem Ghillie Suit durch das Unterholz und das hüfthohe Gras der ukrainischen Geisterstadt Prypiat nahe Tschernobyl zu schleichen, während eine ganze Kompanie sowjetischer Soldaten nur um wenige Zentimeter an einem vorbeimarschiert während man unter zahlreichen vollbesetzten Mannschaftstransportern auf dem Bauch entlanggleitet. So viele AK’s und Raketenwerfer, die bei jedem kleinen Fehler oder einem verfrühten aus-der-Deckung-gehen das sofortige elektronische Ableben bedeuten können, laufen geschultert oder im Anschlag an einem vorbei, während man sich durch verrostete Container und über Friedhöfe schleicht. Und wenn man es doch mal ein wenig verpatzt und zu früh den Abzug betätigt bekommt man nach einem glücklich ausgegangen kleinen Schusswechsel sofort ein “The word ‘stealth’ means nothing to you, right?” vom leitenden Offizier Major McMillan zu hören.
Die Atmosphäre, die hitzigen Wortwechsel in den Gefechten und die gelungen vertonten Befehle der Teammitglieder lassen vergessen, das man einem starren Pfad folgt ohne jede spielerische Freiheit und von Augenblick zu Augenblick auf immer neu gescriptete Sequenzen reagiert. Viele fordern immer Entscheidungsfreiheit in den Spielen und im Falle eines GTA 4 oder Oblivion mag das Sinn machen. Aber wer braucht bei Shootern wirklich die Freiheit, ob er jetzt zuerst die Bombe entschärft oder den Informanten rettet, wenn er eine so fantastisch inszenierte und authentische Welt wie in Call of Duty 4: Modern Warfare vorgesetzt bekommt?
Ich möchte diese ‘Lobpreisung’ mit der Bitte an Activision enden lassen, CoD 6 bitte nicht auch wieder im Zweiten Weltkrieg spielen zu lassen. CoD 4, Crysis und auch Rainbow Six:Vegas haben gezeigt, dass es auch schöner, besser und vor allem origineller geht, als immer wieder diesen einen Krieg aufzuwärmen.
Und an alle Fans von guten Settings, Stories und authentischen Schauplätzen, denen dieses Schmankerl der Shottergeschichte bisher entgangen ist, kann ich einen Ausflug nach Prypiat nur empfehlen. Und für alle Fans von großen und offenen Welten hoffe ich darauf, dass Ubisoft mit Far Cry 2 das erreicht, was sie sich selbst zum Ziel gesetzt haben. Wenn ich auch nur einmal mehr als 10 Minuten untätig durch die afrikanische Steppe laufen muss um von einem Auftrag zum nächsten zu gelangen, greife ich doch lieber noch mal zu Call of Duty 4.